Perlen Lexikon

Flussperlen

Süsswasserperlen aus Flussperlmuscheln

Die Geschichte der Flussperlen ist nicht zuletzt die Geschichte der Flussperlmuscheln. Flussperlmuscheln sind ein sehr guter Indikator für ein intaktes ökologisches System der Flüsse in den sie vorkommen oder vorkamen. Von den ehemals reichlichen Beständen der Flussperlmuschel in Europa und Nordamerika sind mit der zunehmender Umweltverschmutzung nur noch wenige übrig geblieben, so dass Flussperlen heute kaum noch eine Rolle spielen. Flussperlen sind reine Naturperlen, die ohne das Wirken des Menschen entstehen.

Flussperlen gibt bzw. gab es in allen Gebieten von Europa, wobei die Perlmuschel Magarifitrea magarifitera die gemässigt kühlen bis kühlen Zonen mit schnell fliessenden nährstoffarmen- und kalkarmen Gewässer bevorzugt. Wie schon erwähnt waren von 100 Jahren die Bestände der Flussperlmuscheln noch sehr gross. Heute werden sie durch Schutzmassnahmen vor dem Aussterben bewahrt.
Gute Flussperlen in erwähnenswerter Menge wurden in Schottland gefunden. Ab den 12. Jahrhundert bis heute noch kommen Flussperlen der durchschnittlichen Grösse von 3-4 mm aus Schottland. Grössere Flussperlen sind aber auch möglich. Im Mittelalter wurden schottische Flussperlen auf dem Festland auch als Orientperlen verkauft. Schottische Flussperlen zeichnen sich durch ein sehr reines Weiss aus, aber auch andere Farbtöne sind möglich. Die größte schottische Perle ist 11,5 mm und wird auch als Abernethy – Perle (oder Little Willi) bezeichnet.
Eine weiteres grosses Verbreitungsgebiet hatte die Flussperle in Russland, wobei sich die grössten Vorkommen in Nordrussland befanden. Zu Zarenzeiten wurden Flussperlen in verschwenderischer Art in Gewändern und Kopfschmuck der Adligen verwendet. Aber auch die Kirche vereinnahmte für sich die Perlenschätze und lies sie in Messbüchern, Gewändern, Kelchen und Ikonen reichlich verarbeiten. Mit dem Untergang das Zarenreiches, gingen auch die Perlenschätze unter. Die Industrialisierung Russlands unter den Sowjets, für die Umweltschutz ein Fremdwort war, liessen die Bestände an Flussperlmuscheln eingehen. Einzig auf der Halbinsel Kola im Norden von Russland gibt es noch grössere Bestände.
Flussperlen in Mitteleuropa gehören ebenso der Vergangenheit an. Ihre Blütezeit erlebten die Flussperlen im 17. Und 18. Jahrhundert. Die Perlen waren auch hier die Schmuckstücke des Adels und der Kirchenoberen. Mit der Industrialisierung und der einher gehenden Umweltverschmutzung verschwanden die Bestände der Flussmuscheln, und damit die Flussperlen.

Den Nordamerikanischen Flussperlen erging es nicht anders. Gab es vor der Besiedelung des Kontinents durch die europäischen Einwanderer noch unvorstellbar viele Flussperlmuscheln, so sind sie heute aus vielen Flüssen verdrängt oder nur noch in geringer Zahl vorhanden.
Die indianischen Einwohner nutzten die Perlmuscheln vielseitig, als Essen, zum Herstellen von Werkzeugen und anderen Dingen, jedoch nie in der Form, dass sie je den Bestand gefährdet hätten.
Dies geschah erst als im 19. Jahrhundert ein regelrechter Flussperlenboom ausgelöst wurde. Dieser Boom nahm seinen Anfang in New Jersey und erfasste bald den gesamten östlichen Bereich der heutigen USA. Die gefundenen grossen Perlen wurden zum Teil in Europa als Orientperlen für rechten Preis verkauft. Ein weiteres Merkmal der Perlen war die Vielfalt der Farben der Perlen.
In den neunziger Jahren der 19. Jahrhunderts entwickelte sich aus dem Flussperlenboom, die Perlmuttindustrie deren Nebenprodukt, die Flussperlen waren. Die Perlmuttindustrie verlor nach dem 2. Weltkrieg völlig ihre Bedeutung und damit auch die Flussperlen. Nicht nur, dass das Perlmutt in der Textilindustrie seine Bedeutung verlor, auch die Industrialisierung und der Raubbau der Muschelbestände taten ihr übriges.
Dennoch gab es unberührte und unentdeckte Bestände. Bedeutung erlangten die Flussperlmuscheln wieder mit dem Aufstieg der Zuchtperlen. Das amerikanische Süsswasserperlmut eignet sich am besten für die Herstellung der Kerne, die für die Bestückung der Zuchtperlmuscheln so notwendig sind.



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